Dienstag, 9. Januar 2018

Zwischen den Jahren

zwischen den jahren
wenn die tage keine
namen tragen, wenn

licht und dunkel mit
einander verschmelzen
bist du in meinem

herzen, in meinem
inneren blick. sehe
ich den zitternden

altersverkrümmten
daumen, der mir
ein letztes mal ein

kreuz auf die digitale
stirn zeichnet und
mich in ein

elternloses
leben entlässt



©beatrix brockman

(10.01.2018 wäre mutters 87. Geburtstag)

Mittwoch, 13. Dezember 2017

White Christmas

und brennt ein drittes kerzenlicht
im grünen tannenrund, freuen sich
(kinder)herzen an stillen momenten 
und kleinen geschichten aus 
einem schmalen buch. spielt auch  
das radio   ganz klischee
white christmas
und versamtet bing uns  raue tage,
spielen die wettergötter trotzdem
weder nach den regeln des winters 
noch denen des advents.  trotzdem 
stellt sich eine stimmung ein, die 
die innere kälte langsam vertreibt, 
und deren glanz so nach und nach 
generationen von augen erreicht. 

©beatrix brockman

Mittwoch, 1. November 2017

kein anschluss unter dieser nummer

und manchmal

braucht es nur ein wort
und sie überwältigen dich
die stimme
die nun schweigt
die hand
die sich nicht mehr
nach dir streckt
das sehnen nach
nach dem herz
in dessen takt
auch deines schlug

die stille


©beatrix brockman

Samstag, 30. September 2017

Im Spiegel

stehen wir an
frischen oder bepflanzten
gräbern in anderen

orten oder zeiten
nehmen wir wieder
und wieder abschied

als wäre jetzt
das alter des
müttersterbens

geschieht es
plötzlich hier
zu erwarten dort

und schauen wir
sie doch täglich
im spiegel von

worten, gesten
gesichtern und
sogar zehen



©beatrix brockman

Dienstag, 12. September 2017

vertraulich

sechs jahre standest
du draußen — drücktest
die nase dir platt
am fenster geflüsterter
worte mit dem stempel
vertraulich

nun stehst du an
der tür doch dein
fuß will sich nicht
über die schwelle
heben. selbst sollst du
nun und willst  doch

nicht  —  flüstern

© beatrix brockman

Mittwoch, 6. September 2017

fundstück

und manchmal findest
du etwas wieder
das lange verloren
doch das, was die
sehnsucht nach ihm
schürte, findest du
nicht. dann spürst
du den verlust noch
stärker, denn nun sind
die jahre des sehnens
auch verloren.

©beatrix brockman

Donnerstag, 6. Juli 2017

Nach dem zufälligen Griff in eine Schublade

plötzlich füllen worte
 die vor jahren schon
aufs blatt geflossen
seele, raum und herz.

hastig huschen finger
über tasten suchen
suchen suchen nach
dem band das einmal riss

ist’s auf einmal dann
gefunden, geh’n gedanken
auf die reise — ziel:
das was einmal war

doch du weißt nicht
wann man sich zum letzten
mal geschrieben, man zum
letzten mal sich sah

© Beatrix Brockman